Ackerrandstreifen sind keine passive Schutzmaßnahme – sie wirken aktiv als Nahrungsquelle, Überwinterungshabitat und Nistplatz für eine Vielzahl von Insektenarten. Welche Gruppen in welchem Ausmaß profitieren, hängt stark von der Pflanzenauswahl, der Streifenbreite und der räumlichen Lage ab.
Wildbienen
Wildbienen, insbesondere Bodennister wie die Sandbiene (Andrena spp.) und die Mauerbiene (Osmia spp.), benötigen offene Bodenstellen in der Nähe von Blütenressourcen. Ackerrandstreifen mit lückigen Beständen und unbefestigten Rändern bieten beides. Besonders wertvoll sind Pflanzen mit langer Blütezeit wie Phacelia, Hornklee (Lotus corniculatus) und Wilde Möhre.
Blütenbesuch nach Insektengruppe
- Hummeln bevorzugen röhrenförmige Blüten (Salbei, Klee, Taubnessel).
- Schwebfliegen besuchen offene Doldenblütler wie Wilde Möhre und Kümmel.
- Schmetterlinge suchen nektarreiche Flachblüten wie Distel und Flockenblume.
- Käfer nutzen Blütenpollen und finden in strukturreichen Streifen Unterschlupf.
Bedeutung für die Bestäubung von Kulturpflanzen
Blühstreifen erhöhen die Dichte von Bestäuberinsekten in ihrer unmittelbaren Umgebung. In der landwirtschaftlichen Praxis ist dieser Effekt vor allem für Raps, Sonnenblume und Obstbau relevant. Verschiedene Untersuchungen aus Deutschland und dem europäischen Ausland zeigen, dass die Bestäubungsleistung auf Flächen nahe Blühstreifen gegenüber Kontrollflächen ohne strukturreiche Ränder höher ausfällt.
Saisonale Versorgungslücken schließen
Um Insekten über die gesamte Vegetationsperiode zu versorgen, sollten Blühstreifen folgendes abdecken:
- Frühjahr (März–Mai): Schlüsselblume, Löwenzahn, Weidenkätzchen (Gehölze am Rand)
- Frühsommer (Juni–Juli): Phacelia, Klee, Mohn, Kornblume
- Hochsommer (August): Wilde Möhre, Wegwarte, Sonnenblume
- Spätsommer (September): Steinklee, Beifuß, Goldrute (heimisch)
Nützlinge und natürliche Schädlingskontrolle
Neben Bestäubern fördern Ackerrandstreifen auch räuberische Insekten: Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen nutzen Blühstreifen als Überwinterungs- und Reproduktionshabitat. Diese Nützlinge wandern in angrenzende Kulturen ein und regulieren dort Blattläuse und andere Schädlinge, ohne dass chemische Mittel eingesetzt werden müssen.
Gefährdete Insektenarten der Agrarlandschaft
Die Rote Liste der Bienen Deutschlands (Stand 2011, aktualisierte Erfassungen liegen vor) enthält mehrere Hundert Arten, von denen viele auf extensiv bewirtschaftete Offenlandflächen angewiesen sind. Ackerrandstreifen können als Vernetzungselemente zwischen Restbiotopen dienen und so das lokale Aussterberisiko einzelner Populationen verringern.
Praktische Hinweise für eine insektenfreundliche Anlage
Folgende Punkte verbessern den ökologischen Nutzen für Insekten:
- Mindestens 30 % der Saatmischung aus Leguminosen (Klee, Wicke, Hornklee) – wichtige Pollenquelle für Wildbienen.
- Streifen möglichst an bestehende Gehölzränder, Hecken oder Gräben anschließen.
- Auf Mulchen verzichten oder es auf nach September und vor März beschränken, um Überwinterungshabitate zu erhalten.
- Abschnittsweises Mulchen in Mehrjahresstreifen verhindert Verbuschung, ohne alle Strukturen gleichzeitig zu zerstören.