Die Wahl der Saatmischung bestimmt maßgeblich, ob ein Ackerrandstreifen die gewünschte ökologische Funktion erfüllt. Eine falsch gewählte Mischung kann von wenigen konkurrenzstarken Arten dominiert werden oder auf dem jeweiligen Boden kaum ankeimen. Die folgenden Abschnitte beschreiben, welche Mischungstypen für die in Deutschland am häufigsten vorkommenden Ackerböden geeignet sind.
Grundprinzipien der Saatgutauswahl
Drei Kriterien stehen bei der Auswahl einer Mischung im Vordergrund: Standorteignung, Nutzungsdauer und der angestrebte Zweck (Blütenangebot für Insekten, Körner für Feldvögel, oder beides). Heimische Wildpflanzen sind importierten Zierblumen vorzuziehen, da sie von einheimischen Insekten besser genutzt werden und über mehrere Jahre bestandsstabil bleiben.
Einjährige Mischungen
Einjährige Mischungen blühen im ersten Jahr vollständig auf und erzeugen viel Biomasse. Sie eignen sich für Testflächen oder Situationen, in denen jährlich unterschiedliche Anbaukulturen geplant sind. Typische Bestandteile sind:
- Kornblume (Centaurea cyanus) – schnell keimend, wenig anspruchsvoll
- Mohn (Papaver rhoeas) – hoher Nährwert für Bienen
- Phacelia (Phacelia tanacetifolia) – attraktiv für Hummeln und Honigbienen
- Senf (Sinapis alba) – wächst auch auf mageren Böden
Mehrjährige Mischungen
Mehrjährige Mischungen bauen sich langsamer auf, bieten aber über viele Jahre Blüten- und Samennahrung. Sie erfordern weniger Pflegeaufwand als jährliche Neueinsaaten. Bewährte Arten für mehrjährige Streifen sind:
- Wilde Möhre (Daucus carota)
- Wiesensalbei (Salvia pratensis)
- Wiesen-Klee (Trifolium pratense)
- Kümmel (Carum carvi)
- Wegwarte (Cichorium intybus)
Hinweis zur Saatgutherkunft
Das Bundesnaturschutzgesetz (§ 40 BNatSchG) schreibt für bestimmte Flächen autochthones Saatgut vor. Wer Fördermittel beantragt, sollte vor dem Kauf prüfen, ob die Förderrichtlinie des jeweiligen Bundeslandes Anforderungen an die Herkunft des Saatguts enthält.
Standortangepasste Empfehlungen
Sandige Böden (z. B. Brandenburg, Teile Niedersachsens)
Auf armen Sandböden sind trockenheitsverträgliche Arten gefragt. Phacelia, Kornblume und Steinklee (Melilotus officinalis) keimen gut und etablieren sich ohne zusätzliche Düngung. Knaulgras (Dactylis glomerata) kann als Stützfrucht beigemischt werden, sollte aber nicht dominieren.
Lehmige Böden (z. B. Bayern, Sachsen, Thüringen)
Auf nährstoffreichen Lehmböden konkurrieren Kulturpflanzenausfälle und Gräser stark mit Wildpflanzen. Hier empfehlen sich Mischungen ohne Gräseranteil, die eine schnelle Bodenbedeckung durch früh keimende Arten wie Ölrettich (Raphanus sativus var. oleiformis) und Buchweizen (Fagopyrum esculentum) sicherstellen.
Feuchte Böden und Auelagen
An feuchten Standorten oder in Überschwemmungsbereichen sind Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Blutweiderich (Lythrum salicaria) und Sumpfdotterblume (Caltha palustris) geeignet. Diese Standorte eignen sich weniger für standardisierte Handelsmischungen; eine individuelle Zusammenstellung ist sinnvoll.
Aussaatmenge und Technik
Für einjährige Mischungen werden in der Praxis zwischen 5 und 15 kg Saatgut je Hektar verwendet. Bei mehrjährigen Mischungen genügen oft 4–8 kg/ha. Eine zu hohe Aussaatdichte führt zu starker innerartlicher Konkurrenz und schwächerem Einzelpflanzenaufwuchs. Die Saattiefe liegt bei Wildpflanzen typischerweise unter 1 cm; Lichtkeimer werden nur angedrückt, nicht eingearbeitet.
Pflege im ersten Jahr
Im ersten Jahr ist eine Überprüfung auf Problemunkräuter (z. B. Ackerkratzdistel, Ampfer) ratsam. Falls sich diese ausbreiten, kann ein einmaliges Schröpfen auf 20–30 cm Höhe helfen, ohne die erwünschten Arten zu zerstören. Herbizideinsatz ist auf Förderflächen in der Regel nicht erlaubt und kontraproduktiv für das Ziel der Artenförderung.